Zündfunke, 29.01.15

Diakon Bertram Bolz, Deutschsprachige Kath. Gemeinde in Puerto de la Cruz
So war das damals, liebe Schwestern und Brüder: Wir als Eltern wissen, was für unsere Kinder am besten ist. Nur: Thomas war da anderer Meinung. Mit fünf Jahren hatte ihn sein Vater schon ins Kloster Montecassino getan. Und weshalb das alles? Natürlich um ihn auf eine standesgemäße Karriere vorzubereiten. Doch dann hat der Bursche mit vierzehn einen neuen Orden kennen gelernt, den Orden der Dominikaner. Bettelmönche. Und von der Struktur her ganz anders als das reiche Kloster, in dem er bisher lebte. Faszinierend wie die sich darauf verlassen konnten, dass Gott für sie sorgt, wenn sie den Menschen nur gut von Gott predigen.
Thomas will da mitmachen und seine Familie tut alles, um ihn wieder auf den angeblich richtigen Weg zu bringen. Was haben sie nicht alles dafür getan. Sie haben ihn sogar entführt und über ein Jahr lang im Schlossturm gefangengesetzt. Hat nichts gebracht. Deshalb haben sie ihm – so erzählt es die Legende – eine bildhübsche junge Frau geschickt, die ihn zum wahren Leben verführen sollte. Aber sie hat ihn nur gestört, und so hat er sie mit einer brennenden Fackel, die er von der Wand gerissen hatte, wieder verjagt.
Der junge Mann war ein Dickschädel – ganz offensichtlich. Aber was ihn so getrieben hat, das muss eine interessante Mischung gewesen sein; eine Mischung aus: So leben zu wollen wie Jesus – arm und dabei aber ganz nah bei den Menschen, immer auf der Strasse unterwegs. Zugleich aber hat ihn eine besondere Lust ergriffen: Das war die Wissenschaft und darin besonders das Nachdenken über Gott und die Menschen. Selbst im einsamen Schlossverlies hat er unter größten Anstrengungen weiter studiert.
Ob er später dann wirklich so dick war, dass sie ihm einen Halbkreis in den Professoren-Schreibtisch sägen mussten? Ich weiß es nicht. Aber sein Spitzname war: Der stumme Ochse. Das kam daher, dass er kein großartiger Redner war. Dafür aber ein heftiger Schreiber. Seine theologischen und auch philosophischen Bücher haben über siebenhundert Jahre lang alles beeinflusst, was Theologen gedacht und Prediger gepredigt haben. Persönlich ist er eher bescheiden geblieben. Ob es ein Traum war – jedenfalls hat er einmal die Stimme Gottes gehört: „Du hast gut von mir geschrieben; welchen Lohn verlangst du?“ Darauf antwortete Thomas: „Nur dich allein, Herr. Alles, was ich geschrieben habe, ist doch nur Stroh!“
Heute hat Thomas von Aquin Namenstag. Glückwunsch an alle, die denselben Vornamen tragen wie er.

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